Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
| Individualisierte MedizinIndividualizedmedicine |
###HEADER-IMG###
EGM-Home > Forschung > Projekte nach Arbeitsgruppen > Prof. Dr. Silke Schicktanz >

TP 9 Ethische Aspekte bei der individualisierten Rektumkarzinom-Therapie: Erwartungen und Einstellungen von Patienten gegenüber prognostischen Tests mit Biomarkern Eine sozialempirische und medizinethische Analyse

Aktuell:

Film: Wie können wir die Medizin individualsieren?

Zum Film klicken

Projektlaufzeit: 6/2011 – 12/2014 

Mit diesem Teilprojekt, das neu in das KFO 179/2 Forschungs-Netzwerk für die zweite Förderperiode  eingebunden ist, sollen unterschiedliche ethische und soziale Aspekte der individualisierten Medizin, insbesondere aus Sicht der Betroffenen, eruiert werden. Neue Technologien und biologisch-genetische Informationen haben einen starken Einfluss sowohl auf die Arzt-Patient-Beziehung als auch auf biopolitische und rechtliche Debatten. Die Komplexität der Informationen nimmt zu, so dass die Chancen und Risiken einer Behandlung immer wieder neu eingeschätzt werden müssen. Medizinische Informationen können darüber hinaus auch für andere Kontexte (Familien- oder Lebensplanung, Versicherungen) relevant sein. Der vermehrte Einsatz von Biomarkern, um anhand derer den Verlauf einer Behandlung vorherzusagen, sollen insbesondere die individuelle Lebensqualität des Patienten und gezieltere Entscheidungen ermöglichen. Durch ethische Begleitforschung in einem frühen Stadium der medizinisch/klinischen Forschung ist es möglich, längerfristige Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis und das klinische Umfeld zu eruieren und Unklarheiten,  sowie denkbare Konflikte und Erwartungen zu identifizieren und ethische Lösungsansätze zu entwickeln. Mittels sozialempirischer qualitativer Methoden der direkten Beobachtung und ausführlicher Interviews mit Patient/innen soll im Rahmen des Projekts deren Ansichten und Erfahrungen gesammelt und analysiert werden. Der weitere Fokus unserer Untersuchung liegt dabei einerseits auf der Rolle der Informations-, Autonomie- und Vertrauensbasis des Arzt-Patienten-Verhältnisses, andererseits auf den Erwartungen und/oder Erfahrungen, die Patienten an die "individualisierte" Behandlung der rektalen Krebstherapie stellen. Im Zusammenhang mit dem Informationsgehalt sollen das Verständnis und der Umgang mit wissenschaftlichen Fakten und Werten dahingehend untersucht werden, wie Patienten diese im Entscheidungsfindungsprozess in Bezug zueinander setzen.  Durch die Integration sozialempirischer Studien in die medizinische Ethik werden detailliertere Informationen und konkrete Einblicke in die alltägliche Praxis aus Sicht der Patienten gesammelt. Die Erforschung und Reflexion der Patientensicht basiert auf Vorarbeiten, welche die Einstellungen von Ärzten und Wissenschaftlern gegenüber Pharmakogenomik bei der Rektumkarzinom-Therapie im Rahmen der KFO 179 eruiert haben (2014 abgeschlossenes Promotionsprojekt, Dr. med. Arndt Hessling). 

Zusammenfassend ergeben sich für das Teilprojekt 9 folgende leitende Forschungsziele:

  • Zunächst erfolgt eine Identifikation der Einstellungen von Patienten und deren Angehörigen gegenüber prognostischen Tests auf Biomarker für die Bewertung der Krebstherapie über einen längeren Zeitraum.  
  • Dabei werden u.a. folgende vier Schwerpunkte analysiert: Erwartungen für das eigene Überleben und dem Nutzen hinsichtlich der Lebensqualität; Vertrauen oder Misstrauen bezüglich wissenschaftlicher und praktischer Aspekte; Verständnis und Umsetzung von Patientenautonomie innerhalb des Entscheidungsprozesses sowie Verständnis und Interpretation fachwissenschaftlicher Aspekte aus Laiensicht.
  • Darauf aufbauend wird der Umgang mit verschiedenen Werten sowie soziokulturellen Faktoren für den Entscheidungskontext (Geschlecht, Alter, Religiösität) analysiert.
  • Schließlich sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei den Einstellungen und Erwartungen aus ärztlicher und aus Patientenperspektive bezogen auf die personalisierte Therapie aufgezeigt werden.

Die Ergebnisse sollen in konkrete ethische Modelle der gemeinsamen Entscheidungsfindung ("shared decision making") von Arzt und Patient integriert werden, um so den Folgen dieser medizinisch-technologische Entwicklung besser Rechnung tragen zu können. 

Projektleitung: Prof. Dr. Silke Schicktanz

Verantwortliche Mitarbeiterin: Dr. des. Sabine Wöhlke 
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

Universitätsmedizin Göttingen
Humboldtallee 36
37073 Göttingen

Tel. 0551-399673

Email: sabine.woehlke(at)medizin.uni-goettingen.de

Link zur Projektseite der klinischen Forschergruppe: www.kfo179.de

Abschlussworkshop „Wie können wir die Medizin individualisieren? Neue Konzepte, Methoden und Strukturen“

Dieser Workshop bildete den Abschluss unseres von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Teilprojektes der Klinischen Forschergruppe (KFO 179/2) „Ethische Aspekte bei der individualisierten Rektumkarzinom-Therapie: Erwartungen und Einstellungen von Patienten gegenüber prognostischen Tests mit Biomarkern. Eine sozio-empirische und medizinethische Analyse“ (2011-2014). Der Workshop warf den Blick in die Zukunft, und widmete sich neuen Konzepten, Methoden und Strukturen, die einer individualisierten Medizin gerecht werden können. 

An dem Workshop nahmen wissenschaftliche Expertinnen und Experten aus der Medizin, Medizinsoziologie, Public Health, sowie den Gesundheitswissenschaften insbesondere der Technikfolgenabschätzung teil. Programm: (Flyer) (Poster

 

Publikationen

Left to right:
Julia Perry, Silke Schicktanz, Sabine Wöhlke