Wahlpflichtfächer

Interdisziplinäres Wahlpflichtseminar für Medizin (Vorklinik/Klinik), offen für Studierende aus anderen Fächern

SoSe 2019

Julia Perry, M.A.

Institut für Ethik und Geschichte der Medizin

Interdisziplinäres Wahlpflichtseminar für Medizin (Vorklinik/Klinik), Sozialwissenschaften, Psychologie, Philosophie, Theologie, Medizinrecht

Umgang mit Demenz und Demenzvorhersage: Aktuelle Herausforderungen in Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin und des Gesundheitswesens

Im Zuge der demographischen Entwicklung rückt die Demenz als Alterskrankheit in den Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit. Statistisch gesehen ist jede fünfte Person über 85 von der neurodegenerativen Erkrankung betroffen. Laut Welt-Alzheimer-Bericht wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 weltweit von derzeit 46 Mio. auf 131 Mio. verdreifachen. Öffentliche Kampagnen weisen auf die hohe Prävalenz und rasche Ausbreitung der Erkrankung, ihre schwerwiegenden Auswirkungen auf die unmittelbar Betroffenen und Pflegenden und die volkswirtschaftlichen Folgekosten hin. Die WHO spricht mit Blick auf die Alzheimer-Krankheit von einer der ‚größten gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts‘, der britische Premier Cameron bezeichnete Alzheimer sogar einmal als die „Pest des 21. Jahrhunderts“. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern diese politische Aufmerksamkeit zur Stigmatisierung oder gar Diskriminierung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen beiträgt oder sie abbaut. Demenz gilt bis heute als nicht heilbare Krankheit, so dass Pflege und soziale Versorgung wesentliche Merkmale einer angemessenen Versorgung darstellen. Dies wirft jedoch auch viele Fragen bzgl. der Zuständigkeit familiärer Pflege und dem aktuellen ‚Pflegenotstand‘ auf. 

Innerhalb der Demenzforschung stehen momentan vorrangig Früherkennung oder Vorhersage von Demenz durch sogenannte Biomarker im Vordergrund, um die Demenz in ihrem langsamen Verlauf besser zu verstehen. Biomarker die durch Blutabnahme gewonnen werden, gelten aufgrund der minimalen Belastung als attraktive Methode. Andere Biomarker werden aus Nervenflüssigkeit gewonnen und auch Aufnahmen des Gehirns mit Bildgebungsverfahren werden seit Jahren in der Forschung verwendet, um das Entstehen und die Entwicklung einer Demenz besser zu verstehen. Jedoch ist weiterhin zu prüfen, ob ein oder mehrere Marker zusammen einen wirklich verlässlichen Indikator für Eintritt oder Verlauf einer Demenz bilden können. Mit dem Fortschritt der Biomarkerforschung ist die Hoffnung verbunden, Kosten zu senken und sicherere Aussagen (mit geringer Fehlerrate) zu Eintritt und Verlauf einer Demenz treffen zu können. Außerdem sollen sich auch geringere Belastungen für Betroffene ergeben. 

Eine Vorhersage würde Aussagen über die Wahrscheinlichkeit des künftigen Eintritts einer Demenzerkrankung treffen. Bisher gibt es kein solides Testverfahren, um bei einem einzelnen Menschen den Ausbruch einer Demenz vorherzusagen oder auszuschließen. Eine große Herausforderung ist weiterhin, dass bei einer Demenzvorhersage die Grenzen zwischen „normalem kognitiven Altern“ und einer krankhaften Entwicklung leicht verschwimmen können. Aktuelle Entwicklungen zur Demenzvorhersage, die noch nicht den klinischen Alltag bestimmen, ermöglichen es, frühzeitig über die ethischen und sozialen Aspekte dieser Entwicklungen nachzudenken.

Interdisziplinäre Veranstaltung gemeinsam mit Studierenden aus Sozial- & Geisteswissenschaften.

Dieses Seminar ist an ein laufendes Forschungsprojekt des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin angebunden zu ethischen und praktischen Herausforderungen der Demenzvorhersage. 

Das Seminar bietet eine Einführung in ethische, soziale und praktische Aspekte der Prädiktion, Früherkennung und Versorgung von Demenz, eine Einführung in die Methodik von Stakeholder-Beteiligungen und was die Demenzvorhersage und Früherkennung für die medizinische, sozialwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Ausbildung bedeutet. 

Die Studierende sollen, in simulierten Konferenzen, Unterrichtsmaterialien zu ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekten der Vorhersage, Früherkennung und Versorgung von Demenz entwickeln.

Anmeldung über STUD-IP erforderlich. Danach bei Julia.Perry(at)medizin.uni-goettingen.de

Methoden des Seminars:

Textlektüre sowie Paneldiskussion, Gruppendiskussionen, Entwicklung kleiner Pilotprojekte und Präsentation der Teamarbeit.

Dieses Seminar richtet sich an Studierende aus Medizin (Vorklinik/Klinik), Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft, Ethnologie, Geschlechterforschung, Theologie, Medizinrecht

Organisationsform: wöchentlich mittwochs, 14.15-15.45 Uhr

Prüfungsform: Hausarbeit/Videoclip (nach Bedarf); Voraussetzung für die Prüfung ist die Bearbeitung von Arbeitsfragen zum im Seminar ausgeteilten Texten und eine aktive Mitarbeit.

Beginn17.04.2019Ort: Seminarraum Instituts Ethik und Geschichte der Medizin, Humboldtallee 36 

Anmeldung über STUD-IP erforderlich. Danach bei Julia.Perry(at)medizin.uni-goettingen.de