Mitglieder des Netzwerks Gehörlosengeschichte

Koordinatorinnen

Marion Schmidt, PhD koordiniert das Netzwerk Gehörlosengeschichte. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin und beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Gehörlosengeschichte in den USA, in Deutschland und der Schweiz. Insbesondere erforscht sie, wann und warum Taubheit in Medizin und Wissenschaft als Defekt oder als Merkmal einer soziolinguistischen Minderheit gesehen wurde und welche strukturellen und soziokulturellen Faktoren dieser Wahrnehmung zugrunde liegen. Zusammen mit Dr. Anja Werner gab sie 2019 den ersten Sammelband Zwischen Fremdbestimmung und Autonomie zur transnationalen Gehörlosengeschichte im deutschprachigen Raum heraus.  Zuletzt erschien von ihr Eradicating Deafness? Genetics, Pathology and Diversity in 20th Century America (Manchester University Press 2020).

Dr. Anja Werner ist assoziierte Forscherin in Zeitgeschichte am Historischen Seminar der Universität Erfurt und beschäftigt sich seit mehr als fünfzehn Jahren mit Aspekten der Geschichte tauber und schwerhöriger Menschen aus transnationalen Perspektiven. Ihr Interesse gilt der Inklusion von Gehörlosengeschichte in die Geschichtsschreibung als Beitrag zur Diversitätsgeschichte. Bereits ihre Dissertation über amerikanische Studierende an deutschen Universitäten im 19. Jahrhundert enthielt ein Teilkapitel zu gehörlosen Amerikanern (The Transatlantic World of Higher Education, Berghahn Books 2013). Inzwischen hat sie zahlreiche Artikel zum Thema veröffentlicht. Gemeinsam mit Marion Schmidt gab sie den Sammelband Zwischen Fremdbestimmung und Autonomie. Neue Impulse zur Gehörlosengeschichte in Deutschland, Österreich und der Schweiz heraus (transcript 2019). Ihre Habilitationsschrift zu internationalen Einflüssen auf Expert*innendiskurse über Taubheit im geteilten Deutschland unter Einbeziehung der Sichtweisen tauber Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen ist in Fertigstellung. Von der Universität Erfurt hat sie eine Anschubfinanzierung für ein Anschlussprojekt über Andrew Foster und Berta Fosters Engagement für Gehörlosenbildung in Afrika.


Mitglieder

Urs Germann ist promovierter Historiker und derzeit als assoziierter Forscher am Institut für Medizingeschichte der Universität Bern sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Eidg. Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen tätig. Seit Anfang 2021 ist er zudem Mitglied der Leitungsgruppe des Nationalen Forschungsprogramms 76 Fürsorge und Zwang. Er ist spätertaubt und trägt zwei Cochlea-Implantate. Er hat zu verschiedenen Themen der Sozial-, Rechts- und Psychiatriegeschichte geforscht und publiziert. Dabei hat er sich auch mit der Geschichte und Theorie von Behinderung beschäftigt, zuletzt im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Universität Luzern. 2016/17 war er Mitglied des Beirats des Schweizerischen Gehörlosenbunds zur Geschichte des Gebärdensprachverbots in der Schweiz. Er verfolgt die Gehörlosengeschichte im deutschsprachigen Raum seit längerem aufmerksam, ohne aber im Moment eigene Forschungsprojekte in diesem Bereich durchführen zu können.

Ich bin Dr. Jana Hosemann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln, am Lehrstuhl Dolmetschen für Deutsche Gebärdensprache bei Prof. Pamela Perniss. Meine Forschungsinteressen umfassen drei Bereiche:

(1) Psycholinguistische Fragestellungen zu Gebärdensprachen. 2015 habe ich dazu meine Doktorarbeit mit dem Thema „The processing of German Sign Language sentences. Three event-related potential studies on phonological, morpho-syntactic, and semantic aspects“ veröffentlicht (https://ediss.uni-goettingen.de/handle/11858/00-1735-0000-0022-6057-1?locale-attribute=en).

(2) Linguistische und typologische Fragestellungen zu Gebärdensprachen. Von 2016-2020 habe ich in dem EU Horizon 2020 Projekt The SIGN-HUB gearbeitet und einen interaktiven Online Atlas zu den grammatischen Strukturen der Gebärdensprachen der Welt entwickelt.

(3) Deaf Studies und die Lebensgeschichten tauber Menschen. Ebenfalls seit 2016 arbeite ich mit an dem Projekt Die Lebensgeschichten tauber Senioren, in dem ältere taube Menschen über ihre Lebenserfahrungen in der Nachkriegszeit berichten. Hierzu habe ich u.a. einem Buch mit herausgegeben: „Our Lives – Our Stories. Life Experiences of Elderly Deaf People“ (https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110701906/html).

Mirjam Janett ist Postdoc am Lehrstuhl für Medizingeschichte der Universität Zürich. An der Universität Basel promovierte sie zur Fremdplatzierung von Kindern und Jugendlichen in der Deutschschweiz. Sie forscht und lehrt u.a. zur Gehörlosengeschichte, Science und Gender sowie zur Geschichte der Kindheit und Familie. 2020 erschien von ihr: Aus erster Hand. Gehörlose, Gebärdensprache und Gehörlosenpädagogik in der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert (mit Rebecca Hesse, Alan Canonica, Martin Lengwiler und Florian Rudin, Chronos-Verlag).

Clara Maria Kutsch ist PraeDoc im Team der Sprachlehr- und -lernforschung am Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität Wien. In ihrer Masterarbeit setzte sie sich intensiv mit der Situation der Gehörlosengemeinschaft im Nationalsozialismus (Österreich) auseinander. Ergebnisse wurden in "Das Zeichen" (2018) publiziert. 

In ihrer geplanten Dissertation forscht die Linguistin zur Darstellung der Gebärdensprache im Kontext der  HNO-Heilkunde. 

 

Forschungsschwerpunkte: Diskursanalyse/ Institutionenforschung/ Medizingeschichte

Bettina Lindmeier ist Professorin am Institut für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover. Hier geht es zu ihrer Seite.

Sonja Matter promovierte an der Universität Bern zur Geschichte der Sozialen Arbeit. Sie ist Projektleiterin des Forschungsprojektes „Integriert oder ausgeschlossen? Die Geschichte der Gehörlosen in der Schweiz“. Das Forschungsprojekt wird im Rahmen des nationalen Forschungsprogrammes „Zwang und Fürsorge – Geschichte, Gegenwart, Zukunft“ (NFP 76) durchgeführt. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des Sozialstaates und der Armut, Disability History, Frauen- und Geschlechtergeschichte, Geschichte der Kindheit und Adoleszenz.

Ines Potthast ist Mitglied im DFG-Netzwerk „‘Deaf History‘ im deutschsprachigen Raum. Die Geschichte einer Minderheit im interdisziplinären Austausch.“ Sie absolvierte den Bachelorstudiengang in Sonderpädagogik mit dem Zweitfach Angewandte Sprachwissenschaft an der Leibniz Universität Hannover. Anschließend studierte sie dort im Doppelstudium den Masterstudiengang Sonderpädagogik und Rehabilitationswissenschaften mit der Spezialisierung Sprach- und Kommunikationstherapie zur akademischen Sprachtherapeutin sowie den Bachelorstudiengang Fächerübergreifender Bachelor mit den Unterrichtsfächern Englisch und Deutsch für das Gymnasium. Seit September 2018 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung „Didaktik der Symbolsysteme – Deutsch“ des Instituts für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover. Mit ihrem Promotionsprojekt zur Interaktion in Familien mit hörgeschädigten (Klein-)Kindern unter der Betreuung von Frau Prof. Dr. Bettina Lindmeier ist sie seit Februar 2020 Stipendiatin der Promotionsförderung des Cusanuswerks, der Bischöflichen Studienförderung. Informationen zum Promotionsprojekt finden Sie hier.

Markus Spöhrer ist Postdoktorand im Teilprojekt 2 „Technosensorische Teilhabeprozesse. App-Praktiken und Dis/Ability“, der DFG Forschungsgruppe Mediale Teilhabe: Partizipation zwischen Anspruch und Inanspruchnahme an der Universität Konstanz, in welchem Hörpraktiken und -technologien im Zusammenhang mit digitalen Medien im Zentrum der Forschung stehen. In seiner Dissertation „Film als epistemisches Ding: Zur Produktion von HipHop-Kultur und Till Hastreiters Status YO!“ (betreut durch Prof. Dr. Beate Ochsner und Prof. em. Christoph Georg Tholen) hat sich er sich mit wissenschaftstheoretischen und -soziologischen Ansätzen als Zugänge zur (Film)Produktion von HipHop-Kultur auseinandergesetzt. Vorher hat er Amerikanistik, Germanistik und Anglistik (Universität Tübingen) sowie Media Studies (University of Miami) studiert. Seit 2015 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Konstanz, wo er auch promoviert hat. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte umfassen Kulturen und Theorien digitaler Medien, digitale Spiele und (Dis)Ability, Sensorische Praktiken, Science and Technologies Studies und hier besonders Akteur-Netzwerk-Theorie.

Robert Stock ist Juniorprofessor für Kulturen des Wissens am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. 2017 promovierte er über kulturelle Dekolonisierungsprozesse und Dokumentarfilme zwischen Mosambik und Portugal an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er bis 2015 Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) war. Von 2015 bis 2021 koordinierte er die DFG-Forschungsgruppe „Mediale Teilhabe. Partizipation zwischen Anspruch und Inanspruchnahme“ an der Universität Konstanz. Dort war er zugleich assoziierter Postdoktorand im Projekt „Technosensorische Teilhabeprozesse. App-Praktiken und Dis/Ability“ (Prof. Dr. Beate Ochsner). Zusammen mit anderen Nachwuchswissenschaftler*innen gründete Robert Stock 2020 das von der DFG geförderte wissenschaftliche Netzwerk „Dis-/Abilities – Nicht-/Behinderung und Medien im Kontext der Digitalisierung“. Seine Forschungsschwerpunkte sind digitalen Medie und Dis/Abilities, die Materialität epistemischer Praktiken, filmische Produktionen postkolonialer Zeugenschaft und medienkulturwissenschaftliche Analysen der Mensch-Tier-Technik-Verhältnisse. Darüber hinaus interessiert er sich in Forschung und Transfer-orientierter Lehre an Inklusionspolitiken im Bereich der Kulturinstitutionen und bearbeitet diesen Aspekt besonders im Hinblick auf die Medien Ausstellung und Film. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Hören abschalten. Filmische Ins-Bild-Setzungen des Cochlea-Implantats“ Upgrades der Natur, künftige Körper: Interdisziplinäre und internationale Perspektiven (Springer 2020), „Musik-Filmische Teilhabekonstellationen als Partizipationsversprechen und situiertes Wissen in The Queen of Silence (2014) und And-Ek Ghes… (2016)“ in Paragrana (2019) sowie senseAbility - Mediale Praktiken des Sehens und Hörens (hrsg. zus. mit B Ochsner, transcript 2016).

Übersicht der Publikationen: https://orcid.org/0000-0002-2256-0928

Seit 2002 als Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften, Abteilung Gebärdensprach- und Audiopädagogik tätig.

            Ihr Schwerpunkt in Lehre und Forschung sind die Kultur-, Sprach- und Bildungsgeschichte tauber Menschen und die Didaktik der Deaf History

 

Aktuelle Forschungsprojekte (Publikationsprojekte):

 

  • Selbstzeugnisse von tauben und schwerhörigen Menschen aus der psychiatrischen Landesanstalt Eberswalde (1933-1943)
  • Gerettet und ausgegrenzt – Taube und schwerhörige Kinder in Waisenhäusern und Heimen im 19. und 20. Jahrhundert
  • Schülerzeitungen und Erlebnistagebücher als biographische Selbstzeugnisse von tauben und schwerhörigen Schüler*innen im 19. und 20. Jahrhundert

 

Bis 2021 über 40 Veröffentlichungen zur Deaf History und Didaktik der Deaf History

 

Wissenschaftlicher Werdegang und Bezüge zur Deaf History:

  1. Promotion Dr. phil. mit der Dissertation „Elementarunterricht und Sprachbildung unter besonderer Berücksichtigung der Unterrichtspraxis am Berliner Königlichen Taubstummeninstitut zwischen Aufklärung und Frühmoderne“ (urn:nbn:de:kobv:11-100212189)

2004/2011

  • Mitarbeit an den ersten Rahmenplänen für das Unterrichtsfach „Deutsche Gebärdensprache“ mit dem Schwerpunkt „Geschichte“

1997-2003

  • als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Schwerpunkt „Geschichte der ‚Taubstummenbildung‘“ im Kooperationsprojekt von Prof. Dr. Sieglind Luise Ellger-Rüttgardt u. Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth zum Thema „Die Erweiterung von Idee und Praxis der Bildsamkeit durch die 'Entdeckung' der Bildbarkeit Behinderter“ im DFG-Schwerpunktprogramm „Ideen als gesellschaftliche Gestaltungskraft im Europa der Neuzeit“ an der Humboldt-Universität, Institut für Rehabilitationswissenschaften, tätig
  • erste Veröffentlichung zur Deaf History in der Zeitschrift „Das Zeichen“ mit dem Titel „Von der ‚Taubstummen-Unterrichtskunst‘ zur Didaktik des Gehörlosenunterrichts“

1993-1996

  • erster Kontakt zur Deaf History im Rahmen der Mitbegründung der „Arbeitsgemeinschaft Gebärdensprache“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Bundesgemeinschaft der Studierenden der Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik (BSGS e. V.) sowie durch die Teilnahme an den Deaf History Treffen in Leipzig und die Zusammenarbeit mit Jochen Muhs, Helmut Vogel und Helmut Christ

Mark Zaurov promoviert an der Universität Hamburg über taube Juden in Kunst, Politik und Wissenschaft vom 18. bis zum 21. Jahrhundert im Sinne einer transnationalen, hybriden imagined community aus der Deaf Studies-Perspektive. 2011 war er Fellow am United States Holocaust Memorial Museum, 2016 erhielt er ein Fellowship der European Holocaust Research Infrastructure (EHRI) für Yad Vashem. Sein Forschungsschwerpunkt sind taube jüdische Opfer und taube Täter des Nationalsozialismus. Hierzu veröffentlichte er verschiedene wiss. Artikel und Bücher als Autor und Herausgeberwie das Buch Gehörlose Juden – eine doppelte kulturelle Minderheit (2003) und Deaf Holokaust[1]. Er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gehörloser jüdischer Abstammung in Deutschland e. V. (IGJAD) und war Initiator eines öffentlichen digitalen Info-Tafel-Projektes mit Gebärdensprachen zum Gedenken an taube Juden in Berlin. Zuletzt entwickelte er ein DVD-Projekt mit Unterrichtsmaterialien über „DeafHolokaust, deutsche taube Juden und taube Nationalsozialisten. In Deutscher Gebärdensprache“. Als staatlich geprüfter Gebärdensprachdolmetscher übersetzt er Beiträge für Gebärdensprachvideos, speziell zum Thema Nationalsozialismus. Derzeit analysiert er die Umsetzung der UN-BRK, Art. 30 Abs. 4, die Gehörlosenkultur zu fördern, in Deutschland: www.igjad.de/veranstaltung-information.html

 

[1] in: Zaurov, Mark & Günther, Klaus-B. (Hrsg.): Overcoming the Past, Determining its Consequences and Finding Solutions for the Present. A contribution for Deaf Studies and Sign Language Education. Proceedings of the 6th Deaf History International Conference July 31 - August 04, 2006 at the Humbold University, Berlin 2009, 173-197.