Am 17.12.2020 fand der erste von sechs geplanten Workshops des Netzwerkes statt, aufgrund der Covid-19 Pandemie online. Neben einem gegenseitigen Kennenlernen von Mitgliedern und Gästen war es Anliegen des Workshops, die gemeinsamen Ziele und Erwartungen an das Netzwerk zu ergründen, sowieden Stand und Herausforderungen der Gehörlosengeschichte zu diskutieren. Dabei kam zum Beispiel die historische Entwicklung von Begrifflichkeiten wie „taubstumm“, gehörlos, schwerhörig und taub zur Sprache. Daneben stand Gehörlosengeschichte von innen als Teil der Emanzipation tauber Menschen als Minderheit im Mittelpunkt des Interesses, wobei sich die Frage nach Abgrenzungen auftat, inwiefern Deaf History als Identifizierungsmöglichkeit für gebärdensprachliche Gemeinschaften auch als Begriff für eine Geschichte von Cochlea-Implantaten genutzt werden kann, und inwiefern Nischen aber auch Kooperationsmöglichkeiten für taube, schwerhörige und hörende Historiker:innen gefunden werden können. Schließlich drehte sich der Austausch um das Potential der Deaf History für intersektionale Ansätze, die Aspekte wie Ethnizität, Gender oder sozialen Hintergrund einbeziehen.

Nicht zuletzt mitbedingt durch die verschiedenen nationalen und disziplinären Hintergründe gab es eine Vielfalt an Meinungen über die möglichen Schnittpunkte zwischen Gehörlosengeschichte und Disability History und der Frage, wo sich die Erforschung einer Zeitgeschichte von CIs und ihren Träger:innen einordnen ließe. Einigkeit bestand aber in der Notwendigkeit, dass Forschungsergebnisse mit größtmöglicher Zugänglichkeit für die Gehörlosengemeinschaft und in Gebärdensprache zur Verfügung zu stellen. Hierzu ist eine Webseite mit schrift- und gebärdensprachlichen Inhalten in Vorbereitung.

Der abschließende Keynote-Vortrag des Historikers und DGB-Präsidenten Helmut Vogel war öffentlich und stieß mit annähernd 100 virtuellen TeilnehmerInnen auf erfreulich großes Interesse. Unter dem Titel „Geschichte der Gehörlosen und Gebärdensprachnutzer. Eine Bestandsaufnahme“ gab Vogel einen Überblick über die Geschichte der deutschen Gehörlosengeschichte als Teil der Emanzipationsbewegung gebärdensprachiger tauber Menschen. Die anschließende Diskussion beleuchtete noch einmal den Forschungsbedarf zum Beispiel in der Geschichte gehörloser Frauen und bei der Sichtung verschiedener Quellenbestände.  Hier wies Vogel darauf hin, dass viele Quellenbestände und Materialien nur in Schriftform vorlägen und deshalb vielen Gehörlosen nicht zugänglich sei.